Ein Blick in die Zukunft durch einen Blick in die Vergangenheit

 

von Elisabeth Göhring

 

Helmut Schmidt soll einmal gesagt haben: „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“.

Ein guter Arzt würde Ihnen heutzutage allerdings empfehlen, Ihre Vision zu entwickeln, denn Visionen gelten als Richtungs- und Impulsgeber für unternehmerischen Erfolg. Im Gegensatz zu einer Halluzination ist die Vision nichts, was einen einfach überkommt. Im Gegenteil: Sie ist meist das Ergebnis von kreativen Gedankenexperimenten mit präzisen Fakten.

Diese Art von unternehmerisch wichtige Vision

  • hat einen klaren Bezug zur Gegenwart,

  • lässt sich in einem einfachen Szenario beschreiben

  • und wird mit einem Datum versehen.

 

John F. Kennedy zum Beispiel formulierte am 25. Mai 1961: "I believe that this nation should commit itself to achieving the goal, before this decade is out, of landing a man on the moon and returning him safely to Earth."

Das Geld für dieses Vorhaben wurde vom Congress bewilligt und die NASA ließ aus seinem Glauben am 20. Juli 1969 Wirklichkeit werden.

Wenn man weiß, was man will, ist dem Willen der Weg bereitet. Man kann Mitstreiter finden und sich daran machen, Dinge zu bewegen.

Im Gegensatz zur breit angelegten Utopie, die irgendwo in der Zukunft liegt und aus der Kritik der bestehenden Verhältnisse entsteht, ist die Vision ein klar formuliertes Ziel-Szenaio.

Wäre es noch nie gelungen, einen Menschen ins All zu schicken und heil wieder zurückzubringen, wäre Kennedys Idee aus der Luft gegriffener Wahn-Sinn gewesen. Die Tatsache aber, dass etwa einen Monat zuvor den Russen gelungen war, einen Juri Gagarin ins All zu schicken, ließ sie möglich erscheinen. Denn was die Russen konnten, dass meinten die Amerikaner übertrumpfen zu können.

 

Das bedeutet, dass die Vision

  • machbar erscheinen muss und

  • motivierenden Ehrgeiz auslösen sollte,

 

um Wirklichkeit werden zu können.

 

Im Gegensatz zu einer Halluzination, die man als Wahrnehmung ohne Reiz beschreiben kann, liegt der Vision ein Reiz zu Grunde. In Kennedys Fall: Juri Ggagarins Erfolg.

 

Marin Luther Kings „I have a dream...“ war mehr als ein Tagtraum: Es war die klar vermittelte Vision einer Zukunft, die möglich war, nein, kommen wird. Und sie ist gekommen.

 

Der entscheidende Unterschied zwischen einem Traum und einer Vision ist

  • der Glaube daran, dass das Bild eine zukünftige Realität ist.

 

Martin Luther King hätte sagen können: “I had a vision and that´s why I belive ...“. Dieses „I have a dream.. „ beinhaltet aber, da es im Präsens ausgesprochen wurde, und für alle Zeit Gegenwart sein wird: da gibt es ein Bild der Zukunft, das ich sehe. Es hat wenig mit der Gegenwart zu tun, aber ich kann es sehen und – ich kann es euch sehen lassen.

Hätte Martin Luther King einen Zeitpunkt für die Realisierung bestimmt, hätte er einen unhaltbaren Zustand für eine Weile legitimiert. Deshalb ist das Datum für seine Vision die Gegenwart. - Und das ist ein weiterer Grund, warum er von einem Traum und nicht von einer Vision spricht.

Sein inneres Bild von dem geschwisterlichen Beisammensein von Schwarzen und Weißen ist sehr kraftvoll, klar und so eindeutig. Es bedarf keiner weiteren Erklärung.

Es hat Millionen Menschen mitgerissen, tausende motiviert dafür zu kämpfen und viele, viele Menschen in die Lage versetzt, über sich hinauszuwachsen um eine Realität zu schaffen, die King ihnen klar vor Augen geführt hatte.

Die Formulierung der Vision als Traum macht die Zukünftigkeit des Bildes zu etwas Subjektivem. Dr. King lud seine Zuhörer ein, an seiner Sicht teilzuhaben.

Auch Kennedy stellte seine Vision nicht als fertiges Szenario vor, sondern äußerte sich eher vorsichtig, dass er glaube, diese Nation solle sich dem Ziel verschreiben.

 

Vielleicht ist ein weiterer Zug einer gelungen präsentierten Vision, dass sie

  • dem Publikum nicht aufgedrängt sondern angeboten wird.

 

Steve Jobs führte 2001 das i-Pod mit einer Präsentation ein, die zeigte, dass eine Vision Tatsache geworden war.

Er zäumte das Pferd von hinten auf und ließ die Zuhörer wissen, was in der Gegenwart visionär wäre: günstiger Songs laden, schneller Songs laden, viele Songs in allen möglichen Formaten spielen, leichtes und stabiles Gerät, überall aufladbar: einfach ein schickes Ding für alle Songs und für überall.

Das von ihm beschriebene i-Pod war so viel besser als alles, was es zu dieser Zeit auf dem Markt gab, dass es fast vermessen geklungen hätte, seine Entwicklung zu fordern.

Um so imposanter wirkte die Schlichtheit, mit der er das Gerät zeigte und mit dem legendären Satz schloss: „This amazing little device holds a 1000 songs and it goes right in my pocket.“

 

Auch hier findet sich eine präzise, von dem gegenwärtigem Stand der Dinge ausgehende Beschreibung von (zukünftig) Möglichem, mit Bescheidenheit vorgetragen und von spektakulärer Wirkung. Man kann fast von einem poetischen Bild sprechen, das Jobs bei all den aufgezählten Daten gab: er beschrieb so eine Art Wunderding, mit dem man 1000 Songs in die Tasche stecken kann. Martin Luther King brachte das Bild der Brüder, schwarz und weiß, die zusammen an einem Tisch friedlich Zeit verbringen, und Kennedy war der geistige Schöpfer des Fußabdrucks (mit Flagge) auf dem Mond. Diese visionären Bilder besitzen

  • Klarheit und emotionales Potential durch poetische Tiefe.

Dies Bildqualitäten verleihen ihnen nicht zuletzt die mitreißende Kraft. Und das ist wieder ein Grund, sich dem künstlerischen auch im Business-Zusammenhang zu öffnen: damit die eigenen Visionen nicht im Dickicht der Machbarkeitsanalysen versanden, aber auch nicht zu Spinnereien ausarten sondern in angemessene, starke Bilder fließen können. Was für ein Potential!

 

Für die Praxis:

  • Die Entwicklung einer tauglichen Vision muss zunächst die (geschäftliche/technische/gesellschaftliche) Gegenwart berücksichtigen.

  • Erfolg verspricht ein konsequenter Blick von außen (Nutzer-Seite).

  • Zeitrahmen sind zu setzen.

 

Eine entwickelte Vision muss

  • nachvollziehbar einfach

  • subjektiv motivierend sein

 

Das visionäre Bild

  • wird den Mitstreitern angeboten, so dass sie selbst zu Missionaren der Mission werden können,

  • muss auf vorbereitete Geister treffen, um erfolgreich zu sein,

  • eine Tendenz aufgreifen bzw. verstärken,

  • poetische Tiefe besitzen.

 


 

 

Bemannter Mondflug, Friede auf Erden oder das begehrenswerteste Produkt der nächsten Dekade?

Was ist IHRE Vision? Workshopkonzeption bei: e.goehring(at)unternehmenskultur-magazin.de

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http://www.sesame.org.jo/sesame/

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Unternehmenskulturen sind nicht „gut“ oder „schlecht“. Aber sie können, ähnlich wie der Charakter bei Menschen, einem sympathisch oder abstoßend erscheinen. Das bleibt der individuellen Bewertung überlassen. - Man kann aber messen und bewerten, ob eine Kultur ihren speziellen Aufgaben gewachsen ist. Das Unternehmenskultur-Magazin.de stellt eine Vielfalt an Organisationscharakteren und Tools zur Messung und Anpassung von Organisationskulturen vor, ohne dabei den Blick für Menschliches zu verlieren.
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